27 May 2017

An der Loreley im Mai

Meine kleine Frühlingsfahrt führte mich von Koblenz gerade mal 40 Kilometer weiter am Rhein entlang nach St. Goar. Dort hält es mich in der Geburtsstadt meiner lieben Frau eine Woche lang. Hier ist für mich derzeit der schönste Platz Deutschlands, wo Nachrichten von Massenselbstmördern an Schrecken verlieren.

Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, werden dadurch bestraft, dass sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie selbst. Platon




Auch schon wieder bald 20 Jahre her, dass meine Geliebte schnurrendes Kätzchen und fauchenden Tiger in unseren Flitterwochen spielte. Sie ist in St. Goar aufgewachsen, glücklich an einem der schönsten Plätze Deutschlands gestartet. Doch zunächst noch einen kleinen Rundgang durch Koblenz, eine der ältesten Städte im Land, seit der Steinzeit besiedelt, von den Römern als Festung genutzt, von den Franzosen erobert, den Russen befreit.

Das Camp in St. Goar schaltet per WiFi meinen Reiseführer Wiki dazu:
Im Frieden von Lunéville fiel Koblenz 1801 auch formal an Frankreich und wurde Hauptstadt des französischen Département de Rhin-et-Moselle. Das Ende dieser französischen Zeit kam 1814 mit der Besetzung von Koblenz durch russische Truppen.
Die Preußen bauten in Koblenz als Hauptstadt ihrer Rheinprovinz Ehrenbreitstein zum damals stärksten Festungssystem Europas auf. Das muß man sich ansehen!



Zu dem martialisch militärischen Mauerwerk kommt neben Museumstücken wie Waffen, Versorgung und Geschichte der Festung ein berauschenden Blick über die in den Rhein mündende Mosel.



Die Kanone von Herrn Greiffenklau ging dank französischer Dauerleihgabe zurück nach Deutschland, wo sie in der Festung Ehrenbreitstein weitgehend sicher vor Altmetalldieben Besucher begeistert.



Unermüdlich schieben Schiffe ihre Ladungen über den Rhein, Kohle, Gas, Öl und in den weißen Kreuzfahrtschiffen Touristen.


Eine Gedenkstätte, die sich verschämt in eine Ecke des Mauernlabyrints verdrückt, erinnert an die Soldaten der Weltkriege.



Unzählige Stunden schufteten Arbeiter, Ingenieure, Baumeister an diesem Bauwerk.

Der Geist von Zwang, Drill, Blut, Schweiß und Tränen durchzieht die Gedenkstätte mit Meter dicken, Mauern, düsteren Gängen und Gefängniszellen, wenigen Abtritten für ein paar Hundert Soldaten und dem gnadenlosen Drill für den "Heldentod". Das waren keine Kuschelkrieger unter Oberbefehlshaberin Frau v.d. Leyen mit geregelter Arbeitszeit, Kinderbetreuung und Urlaubsanspruch.



Die Erinnerung an Kaiser Wilhelm I., der in Koblenz gelebt hat, hält ein martialischen Denkmal aufrecht.






Wiki schreibt zu dem Monument auf dem "Deutschen Eck":
Das Deutsche Eck ist eine künstlich aufgeschüttete Landzunge in Koblenz an der Mündung der Mosel in den Rhein. Im Jahr 1897 wurde hier ein monumentales Reiterstandbild des ersten Deutschen Kaisers Wilhelm I. errichtet, das als Denkmal für die Deutsche Reichsgründung 1871 konzipiert war
Die Fahrt von Koblenz Rhein aufwärts führt an der unvergleichlich prächtigem Schloß Stolzenfels vorbei, eine EGO-Demonstration

Die erst Anfang des 19. Jahrhunderts vom preußischen Kronprinzen zum Schloss ausgebaute Anlage geht auf eine kurtrierische Zollburg aus dem 13. Jahrhundert zurück, die 1689 zerstört wurde. Das neugotische Schloss ist das herausragendste Werk der Rheinromantik.
Doch weil sich meine Reise etwa 40 Kilometer von Koblenz bis St. Goar ausdehnt, bleibt mir nur ein Blick vom Tal auf das mächtige Bauwerk und auf einen Bestattungsdienst in dem kleinen Ort am Rhein. Des weiteren muss der Camper seine rollende Klause mit Getränken und Nahrung versorgen, sich einen Platz am Camp sichern. Die Arbeiten strengen an und lassen keine Zeit für Burgbesichtigungen.


Irgendwann steht meine Kiste dann mit anderen am Camp Loreley. Hier ein Wohnanhänger, meiner Recherche nach ein Schweizer Fabrikat von nur 700 Kilo. Die Luxusversion mit Fernsehern kostet 18.000 Euro. Die Holländer ziehen das Gefährt mit einem Fiat 500.



Die Schweizer fallen häufig mit gigantischen Luxusliner auf. Hier ein Aufbau auf einem Setra-Bus. Wer schon mit einem 12-Tonner anreist, darf auf einen Geräteanhänger nicht verzichten.


Mir macht, wie treue Leser wissen, die Sonne zu schaffen. Zur Sonnenseite schützt mich eine Markise. In der Wiese weiden Gänse, welche bis zu zwei Kilo Kot täglich entsorgen. So sieht der Weg am Rhein auch aus. Die Gänsemütter verteidigen ihre unbedarfteren plüschigen Küken mit bösem Zischen. Mein Fahrrad schlägt dann einen gehörigen Bogen um die aufgebrachte Gänsemama, die wie alle Weibchen sich für ihre Brut einsetzt und für sonst wenig.



Wenn gerade keine Gänse vor meiner Klause grasen, schieben sich Kähne aller Sorten, Größen und Bauart vor meiner Tür vorbei. Rhein aufwärts weht dauernd eine kühlende Brise. Wenn alle Dachluken und Fenster geöffnet sind, dazu die Frontscheibe mit Isoliermatten verhängt ist, lässt es sich gut im Auto aushalten und arbeiten.


Die Gegend ist so überaus reizvoll, dass ihren Liebreiz zu preisen, mir fast die Wörter fehlen. Auf der anderen Rheinseite liegt St. Goarshausen. Doch vorerst fehlen noch einige Lebensmittel, die im einzigen, kleinen Laden in St. Goar nicht zu kaufen sind. Also geht es fünf Kilometer Rhein aufwärts in den nächsten gesegneten Flecken Erde. Das Städtchen: heisst Oberwesel.


An dieser gesegneten Mittelrheinlandschaft wehen an Schiffen, Gipfeln und zahlreichen Häusern Deutschlandflaggen.




Neben dem Radweg wühlt sich ein Kreuzfahrschiff den Rhein aufwärts,  die Schiffsdiesel arbeiten unter Vollast. Oberwesel rühmt sich seiner vielen Türme und seines guten Wein. Dort gibt es einen vorzüglich sortierten Rewe, welcher viele vegetarische Sojaprodukte bietet.


Sechszehn Türme und Mauern versetzen den Besucher in Oberwesel zurück ins Mittelalter. Doch die in kurzem Abstand vorbei rauschendne Züge auf beiden Rheinseiten wie die Schiffe auf dem Fluß bringen das Jahr 2017 wieder ins Bewußtsein.


Von Oberwesel geht es mit den Schätzen von REWE zurück nach St. Goar.


St. Goar gibt mir noch einen reizvollen Blick auf die Burg Rheinfels.


Die Fähre verkehrt zwischen St. Goar und St. Goarhausen. Der Loreley-Felsen liegt 150 Meter über dem Rhein.


Über St. Goarshausen prägen die beiden eindrucksvolle Burgen Katz und Maus die Landschaft. Für die Bilder nehme man sich Zeit, dass sie ihren Zauber entfalten.



Weidezäune übersteigt der Wanderer auf wackligen Holzgerüsten.


Atemraubende Blicke zurück ins Tal...


... und über den Rhein, auf dem unentwegt Schiffe fahren.


Nach den Weinbergen geht es durch feucht kühle Busch- und Waldlandschaft.


Das Schild warnt davor, keine paarenden Partner zu stören.




Selbst heute verunglücken noch Schiffe an dieser nur 160 Meter engsten Stelle des Rheins, obgleich schon in den 30iger Jahren gefährliche Felsen in der Fahrrinne gesprengt worden sind. Wiki berichtet:
So lief am 28. September 2003 bei extremem Niedrigwasser das Fahrgastschiff Loreley der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG (KD) mit 349 Passagieren und elf Besatzungsmitgliedern an Bord bei der Talfahrt auf Grund. Bei einem Tiefgang von 1,24 m und einer Tiefe der Fahrrinne von 1,44 m hatte das Schiff aus ungeklärter Ursache zunächst eine Grundberührung, die den Ausfall der zum Antrieb und zur Steuerung dienenden Twinpropeller bewirkte. Das manövrierunfähige Schiff lief sodann in der scharfen Rechtsbiegung des Flusses direkt in Höhe des Loreleyfelsens auf das linke Ufer auf. Bei dem abrupten Stopp wurden 41 Personen an Bord verletzt, davon drei Personen schwer. Das Schiff musste evakuiert und freigeschleppt werden. Nach dem Unglück stellte die KD vorsorglich für die Dauer des Niedrigwassers alle Fahrten zwischen St. Goar und Rüdesheim ein. Der Pegel Kaub stand zum Unglückszeitpunkt auf dem Rekordtiefstand von 35 Zentimetern.

Wie meist, wenn in der Geschichte etwas schief läuft, müssen die armen Frauen dafür bluten. Doch wo Trieb über verständige Vorsicht siegt, ist Gefahr im Verzug.

Am 13. Januar 2011 kenterte das mit 2400 Tonnen konzentrierter Schwefelsäure beladene Tankmotorschiff Waldhof ebenfalls bei der Talfahrt in Höhe des Loreleyfelsens und blieb auf der Backbordseite vor St. Goarshausen liegen

Heute erinnert das Denkmal an die verführerische Gefahr am Loreley-Hafen. Auch hier zeigt die Region wieder stolz Flagge wie zuvor in St.Goar und an vielen Orten im malerischen Rheintal. Heinrich Heine hat wie viele andere Maler, Dichter und Komponisten der unvergesslichen Schönheit der Loreley ein Denkmal gesetzt.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Radtour Boppard




Dass Gesundheit ein Geschenk ist, ist eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist der eigene Verdienst, die bewußte Anstrengung, mäßiges Essen, der Verzicht auf zuviel Alkohol. Wenn mich wundervolle Eindrücke beglücken, fällt es mir leichter,  mit meinem Körper vernünftiger umzugehen. Frustfraß entfällt dann.

Mächtige Schubschiffe mit Containern gleiten an Kamp-Bornhofen, kurz vor Boppard über den Rhein. Mein "Welterbe-Atlas", den die Touristeninfo in Koblenz für nur zwei Euro vekaufte, zählt auf über 200 Seiten für 67 Kilometer Rhein die Sehenwürdigkeiten auf. Die Webseite lautet: welterbe-mittelrhein.de



Gegenüber von Bad Salzig liegen auf der andere Rheinseite zwei Burgen, welche die "feindlichen Brüder" heißen.  Das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal zählt über 40 Burgen und Wehranlagen.

Früher saßen vemutlich die Zocker in den Burgen, heute sitzen sie in Finanzämtern und Banken. Früher mühten sich die Schiffe mühsam im Schlepptau von Pferdegespannen den Rhein hinauf, heute rollen Güterzüge auf beiden Rheinseiten hin und her, Schiffe transportieren Ladungen, für die 30 bis 40 LKWs
fahren müssten und mittendrin eine Unzahl von Ausflugschiffen, Kreuzfahrtschiffen, Freizeitkapitänen und Wohnmobilfahrern.



Pulks von schweren Motorrädern bereichern den Verkehr, wobei die schweren Harleys mit ihren Langkolben in niedrigen Drehzahlen beinahe wie Schiffsdiesel klingen. Ein echter, alter Horex-Fahrer steht auf seinem blitzenden Gerät vor der roten Ampel und gewährt mir dies schöne Motiv.


Wegweiser aus alten Zeiten schrieben noch "Cöln" und "Coblenz" und gaben die Strecke in "M" - vermutlich Meilen an.



Das Gymnasium in Boppard erinnert mich an meine Schulzeit, die mit dem Herbstabitur 1966 endete. Damals kamen etwa sechs bis sieben Prozent der Schüler zum Abitur, heute bald mehr als 50 Prozent. Bleibt zu hoffen, dass heutige Abiturienten noch Zinsrechnung beherrschen, von Zins- und Zinseszins ganz zu schweigen.




Kunstvolle Fachwerkbauten bereichern das Stadtbild von Boppard. Es ist noch ziemlich früh am Vatertag, weswegen noch kaum Menschen das Städtchen bevölkern.



Der Marktplatz in Boppard: Auf der Bank rechts vorn im Bild haben sich schon Männer zur Feier des Vatertags eingerichtet.




Auf das älteste Haus in Boppard machte mich ein früher Zecher aufmerksam, der meine Begeisterung für dies schöne Städtchen spürte.




Der Spruch auf dem alten Brunnen klingt gut. Das kleine Schild darunter "KEIN TRINKWASSER" dreht den Sinn um.



Schon seit längerer Zeit hat es mich nicht mehr in die schattige Kühle von stillen Kirchen gezogen. Die Landschaften stimmt andächtig. Schon auf einer Parkbank im Schatten lässt die Schönheit der Schöpfung genießen im Übermaß.


Zurück geht es Rhein aufwärts von Boppard in meine stille Klause in St.Goar.



Über St. Goar thront Schloß Rheinfels. In den Gängen der Burg hat meine Frau noch mit ihren Geschwistern gespielt. Damals zogen noch Dampflokomotiven an ihrem Elternhaus vorüber. Auf dem Campingplatz hausierten Landfahrer, wo heute Millionenwerte an Wohnmobilen campieren.




Manch edles, altes Gefährt lässt mich auf der Rheinuferstraße staunen.

St. Goar - Geburtsort meiner Frau




Vor mehr als fünf Jahrzehnten wuchs meine Frau in diesem rosa Häuschen an der Bahn auf. Hinter ihrem Fenster schnauften damals noch Dampflokomotiven über die Schienen. Vor ihrem Fenster kämpften sich die Schiffe über die gefährliche Strecke um den Loreleyfelsen. Wo heute Hunderte das Camp Loreleyblick nutzen, nächtigten damals noch Landfahrer.




Der BedfordBlitz mit seiner barocken Schlafkombüse ist ein seltenes Schmückstück. Mit einem großen Vorzelt, mit einer mobilen Sat-Antennen genießen auch diese Touristen ihren Urlaub mit allem Komfort.



Bei der Abendstimmung am Vatertag in St.Goar schweifen meine Blicke von der Burg Rheinfels über das gesegnete Tal. Meine Liebste daheim erzählt mir am Telefon von ihrer Kindheit in diesem Städtchen.



Damals konnte sie dort mit ihren Geschwistern noch in den frei zugänglichen Gängen der Burg spielen. Heute logiert dort edle Gastronomie, Tagungshotel und dergleichen. Gegen Eintritt darf man die Burg besichtigen.



Zurück am Camp Loreleyblick: Diese 15-Tonnen der Marke Monacco vertickt der Fachhandel schon ab einer Viertelmillion. Wer mit Motorrad und Zeltanhänger oder einem alten Trecker mit angehängtem Wohnwagen anreist, hat kaum weniger Spaß, aber sicher weniger Kosten.


Bei der Abendstimmung färbt die untergehende Sonne den Loreleyfelsen gegenüber meiner Aufbautür mit ihren letzten Strahlen, bevor sie hinter den Hügel verschwindet. Hier lässt sich vor der Aufbautür meines Campers der Raddampfer "Goethe" blicken, der gerade den Loreleyfelsen umfahren hat. Wieder einen Tag ohne Alkohol geschafft, ein Glückstag!

Radtour Bingen



Wie schon beim Einkauf zwei Tage zuvor geht es an der Stadt der Türme und des Weins vorüber, an Oberwesel.


Auf der anderen Seite, fünf Kilometer Rhein aufwärts, lockt Kaub mit Burgen und einer Festung mitten im Rhein.


Von St. Goar bei Rheinkilometer 555 geht es dann nach Bacharach zum Rheinkilometer 543. Diese Angaben zeigen, dass es bei den angesagten 32 Grad Celsius im Rheintal einiger Beinkraft bedarf, das Fahrrad mit seiner Last von bald 90 Kilogramm über diese Strecke zu bringen.



Bei Kaub haben 70.000 Mann den Rhein überquert, um das Land von der napoleonisch französischen Besetzung zu befreien. 



Die Stadt Kaub am Fuß lieblicher Weinberge ist allein schon wegen seiner Burg auf der Rheininsel eine Sehenswürdigkeit.


Obgleich mein Körper bei der Hitze schon bei Rheinkilometer 543, keine 12 Kilometer fern von St. Goar, mit Müdigkeit kämpft, lohnt es, sich durch das zauberhafte Städtchen zu schleppen.


Wein rankt sich an den rosa Haus in der Rosenstraße empor. Fachwerkhäuser und das kunstvoll verlegte Pflaster, fehlender Autoverkehr lassen die Illusion des Mittelalters aufkommen.


Auch wenn sich mein Körper nach einer schattiger Pause im Wirtshaus sehnt, ist Bingen erst in 18 Kilometer erreicht. So erquickt mich später eine Rast auf schattiger Parkbank am Rhein, wo zudem laue Lüftchen wehen.


Obgleich mich der hessische Fachwerkzauber wie in Alsfeld schon im Übermaß mit wundersamer, mittelalterlicher Bau- und Handwerkskunst verwöhnt hat, hier am Rhein in der für den Mai zu heißen Sonne ist das alles noch einen Kick reizvoller.


Auf Türme und auf die Stadtmauer zu steigen, um diese Pracht in Bacharach von oben zu bewundern, reichen dann meine Kräfte nicht mehr.



Es reicht mir, in eine schattige Gasse abzuzweigen, um wenigsten Turm wie Stadtmauer etwas näher zu kommen.



Meine lieben Leser mögen mir als Chronist meine Schwäche verzeihen, doch der Weg scheint sich noch weit bis nach Bingen zu ziehen. Auch soll meine Frau daheim am Wochenende zeitnah meinen Bildbericht bekommen. Obgleich die Internetverbindung in meine Klause am Rhein gut ist, steigt die Hitze an meinem Schreibtisch im Auto unaufhaltsam. Schon um 11.00 Uhr sind 25 Grad Celsius überschritten. Es wird Zeit, den Bericht zu beenden und zu veröffentlichen, auch wenn vieles fehlt und unvollständig bleibt.


Burg Stahleck bei Bacharach wäre allein einen Ausflug wert.


Als alter Camper führt mich mein Weg ganz selbstverständlich auf andere Camps am Rhein, die zwar dort, schon mangels Platz im Rheintal, weniger zahlreich als die Burgen auf den Höhen sind, aber es gibt genug davon. Hier campieren Treckerfahrer, welche an ihre bestens gepflegten Ackermaschinen, mit Wohnanhänger sich im Rheintal vergnügen. Der alte Lanz mit Schwungrad ist legendär.



Modelle dieser legendären Trecker, hier der Eicher, verkaufen wir dann wieder im Maßstab 1:25 auf dem Bamberger Weihnachtsmarkt. Vielleicht kauft ein dankbarer Leser von uns dort ein Modell?


Doch bis Weihnachten ist der Weg noch weiter als bis nach Bingen. Erst geht es noch an Lorch und....


.. an vielen, vielen Burgen vorüber.


Das Rheintal weitet sich. Kreuzfahrschiffe und Fähren müssen sich den Weg über den Strom teilen.


Die Autofähre nach Lorch können Wohnmobilisten vergessen. Denn unter der Eisenbahnbrücke mit zweieinhalb Meter Höhe passt allenfalls ein VW-Bus mit Klappdach.


Die Hänge geben immer mehr Platz für Weinberge. Der Rhein fließt träger und langsamer. Kleine Inseln am Rand geben Badebooten einen Hafen.


Ein Schubverband aus Nimwegen lädt vor Bingen Tonnen von rotem Sand.



Nach nunmehr mehr als 20 Kilometer im Sattel, wobei vor Bingen noch Gegenwind mehr Kraft abfordert, werden meine Fotostopps für die zahlreichen Burgen kürzer und kürzer. Die Namen gehen durcheinander: Die Burgen Rheinstein und Reichenstein in Trechtingshausen, die Burgen Sooneck und Heimburg in Niederheimbach.... Es kommt mir vor, als hätten sich dort in alter Zeit ein ähnliches Personal wie heutige Bankster und Manager niedergelassen, die heute die Innenstädte mit ihren Glaspalästen pflastern.
  

Dort am Uferrand spenden ein paar Bäume Schatten für den gut ausgebauten Radweg am Rhein.


Vor der Burg rollen die Züge mit Gütern, mit Menschen. Der Schall legt sich über Campingplätze, klettert die Weinberge hinauf zu Burgen und fängt sich in den Fenster der Wohnhäuser.


Ein Schwanenpaar schaukelt im Rhein. Bootstouristen haben sich auf der Insel ein beschauliches Plätzchen gesucht, an dem sogar ein paar Weiden Schatten spenden.


Assmannshausen rühmt sich als "Rotweininsel im Rheingau".


Da ist nun das Ziel erreicht, der Bingener Mäuseturm. Google Maps meint zwar, die Strecke sei in etwa einer Stunde zu schaffen, doch mir kamen vier Stunden Fahrzeit immer noch recht schnell vor - für meine Kräfte.



In Bingen stellt sich wieder die Realität mit ihrer Brutalität, ihren fürchterlichen Sprüchen auf Hauswänden, den verdrückten Gestalten mit Bier morgens, mittags und abends und den Glasscherben.


Um 15.39 Uhr bringt mich die Mittelrheinbahn für sechseinhalb Euro mit Fahrrad zurück nach St. Goar. Das Netto-Einkaufszentrum am Bahnhof in Bingen neben diesen Betonplatten von KIK versorgt mich mit Wasser und Kefir, der Eisverkäufer verschafft mir Kühlung mit einem großen Eis, im Schatten und Ruhe genossen.


Weiteres aus Bingen, wo die Nahe in den Rhein mündet, sind auf ein späteres Datum aufgeschoben.


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